Montag, 6. Juli 2009

Bowron Lake Park

Nach rund sechs Stunden Autofahrt erreichen wir Quesnel, wo die Zivilisation langsam aber sicher aufhört. Zuerst fällt das Natel-Netz aus und nach einer Stunde in Wels hören auch die Telefon- und Stromleitungen auf. Häuser gibt es nur noch ganz selten. Zum Glück finden wir noch eine letzte Tankstelle, denn unsere Benzinanzeige steht auf Null... Das Hüseli von Ernst Bärtschi in Grünenmatt ist im Vergleich zum einzigen Grocerie-Store hier in Wels ein Einkaufszentrum. Was uns noch fehlt können wir später am Bowron-Lake noch kaufen, nochmals knapp eine Stunde weiter hinten. Wir übernachten im Zelt und merken beim nächtlichen Gewitter, dass es eher für solche Ereignisse nicht geeignet ist. 
Am Montagmorgen starten wir nach der Registration mit vollbepacktem Kanu (drei Seesäcke mit Essen, Zelt, Schlafsäcken, Kochgeschirr, Kleidern ...) den ca. 7 km langen Bowron-Lake hinauf. Zuerst geht es vor allem im Kreis, die Kommunikation zwischen Vater und Sohn ist eher überlaut. Mit der Zeit gleicht unser Kurs immer mehr einer Linie und nach ca. drei Stunden erreichen wir durch zahlreiche Mäander-Schleifen des Bowron-Rivers, bei zunehmendem Regen, ziemlich durchnässt und hungrig den Swan-Lake. Zum grossen Glück befindet sich dort eine der seltenen "Shelter" (alte Trapper-Blockhütten). Sie wird für die nächsten Tage wirklich unsere Zuflucht. Bald brennt ein Feuer im alten Blechofen und die Stimmung steigt wieder. 
Das Wetter bleibt veränderlich, recht oft regnet es, was hier oben auf rund 1000 m Höhe und umgeben von Schneebergen, keine Seltenheit ist. Am Dienstag erkunden wir den unteren Teil des Swan-Lakes und unsere nähere Umgebung. Eine absolut herrliche Kanada-Wildnis, wie sie im Bilderbuch steht. Häufig begegnet man hier Elchen, rund um unsere Hütte grasen sie vor allem am Morgen und Abend. 
Mittwoch: Schon ist unser letzter Tag in der Wildnis angebrochen. Wir machen eine längere Tour den Swan-Lake hinauf. Wegen Regen und Wind kommen wir aber nicht bis hinauf. Dafür haben unsere Kanukünste grosse Fortschritte gemacht und geniessen wir es schon, mit der Strömung zu surfen oder gegen sie anzurudern. Dass wir für drei Tag sesshaft geworden sind, hat auch den Vorteil, das wir die nähere Umgebung richtig kennen lernen. So merken wir, wo es ein paar Minuten von der Hütte entfernt, Fischottern hat, die man leicht beobachten kann. Immer wieder begegnen wir Elchen. Manchmal überqueren sie watend oder schwimmend den Fluss direkt vor dem Kanu. Wir bestehen aber den Elchtest jedes Mal. Auch Weisskopfseeadler sehen wir ein paar Mal - eindrückliche Tiere. 
Wir geniessen unterdessen die Blockhütten-Romantik. Wenn es nicht gerade regnet, feuern wir draussen, kochen unseren Eintopf, beobachten die Tiere und führen interessante Gespräche. Die vier Liter Wasser gehen rasch zu Ende und wir müssen Wasser aus dem Fluss abkochen. So ist es keimfrei, aber der Geschmack wird auch nicht besser. Die fehlenden Annehmlichkeiten der Kultur vermissen wir schon. Hier gibt es davon wirklich nichts als ein Plumpsklo bei den Campgrounds und Holz zum Feuern. Wir geniessen unsere Getreidestengel, Pasta mit scharfer Tomatensauce, das Stück Käse, ein bisschen schwarze Schokolade und ein Pack gefriergetrocknetes Gemüse. 

Am Donnerstag erwache ich wohl schon um drei Uhr früh. Hier ist es wohl um diese Zeit nur während vier Stunden wirklich dunkel. Um 23 Uhr ist es noch einigermassen hell und um 3 Uhr früh beginnen die Vögel schon wieder zu singen. Als ich um 4 Uhr aufstehe, ist es schon recht hell. Es hat heute viel Nebel und nach 5 Uhr hört man erstmals die Wölfe heulen. 6.05 Uhr legen wir mit dem vollbepackten Kanu ab und lassen uns den Bowron-River hinabtreiben, geniessen die Stille, sehen oder hören nochmals Elche grasen und die Wölfe heulen. Nach einer Stunde erreichen wir den See und gegen 8.30 Uhr sind wir wieder bei Beckers Lodge angelangt. Erleichtert gewöhnen wir uns wieder an die Segnungen der Zivilisation wie frisches Wasser, Dusche, Natelempfang und einige Stunden später auch McDonalds-Food. 

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