Schon vor Jahren haben Rafael und ich davon geträumt, einmal zusammen durch die Weiten der USA zu fahren. Diesen Sommer wurde dieser Traum nun Wirklichkeit. Fast vier Wochen Canada und California, das ist doch etwas! Dass wir uns so lange Zeit genommen haben, hat sich auf jeden Fall gelohnt. So mussten wir nicht nach zwei Wochen schon wieder ans Heimreisen denken. Die Reise war geplant, aber wir waren bewusst offen für spontane Änderungen. So haben wir statt Banff und Jasper Vancouver Island besucht, was eine gute Wahl war.
Dann natürlich Kalifornien! Schon am zweiten Tag sind wir früh aufgestanden und die 101 nach LA runter geblocht. Es mussten die Universal Studios sein! Nie wäre ich da hingegangen. Als ich die Eintrittspreise sah, entschied ich mich, draussen zu bleiben. Rafael zückte grosszügig seine Visa-Card, futernd (von "futere", ein Lieblingswort von Maman) ging ich mit und kam begeistert wieder heraus am Abend spät. Vor allem Water World mit den Wasserkübeln, mit denen sie (die anderen!) Zuschauer ausgiebig begossen haben und die echten Stunts, vermochten auch mein Herz zu begeistern.
Ich war froh, dass die beiden Cousins dann allein nach Las Vegas pilgerten und ich mit Bruder und Schwägerin zwei Tage Zeit hatte für den Yosemite-Park. Eine unglaubliche Landschaft, muss man gesehen haben. Vor allem die riesen Bäume haben es mir angetan. So geheimnissvolle Lebewesen sind das! Das kann unmöglich die Evolution gewesen sein! Ich konnte nicht anders, als den Blog damit vollpflastern.
Aber vor allem unsere Gespräche! Schon in Langley haben wir begonnen, offen über unsere Beziehung zu reden. Da hat sich einiges angesammelt, das ich mir sagen lassen musste. Und ich muss sagen: Meist völlig zu Recht. Für mich war es das Wichtigste der ganzen Reise, dass wir einander näher kamen, Schmerz und Enttäuschung ausgesprochen und wenn möglich geklärt haben. Da ich von mir selbst weiss, wie wichtig die Versöhnung mit meinem Vater für meine innere Entwicklung war, liegt mir die bereinigte Beziehung zwischen meinem Sohn und mir sehr am Herzen. Mich dünkt nun, dass ein neues Kapitel in unserer gemeinsamen Geschichte begonnen hat. Mein Verständnis, meine Achtung und Liebe gegenüber meinem Sohn, mein Stolz über Rafael jedenfalls, ist viel grösser geworden.
Und noch etwas: Den Zugang zum HipHop habe ich noch immer nur beschränkt gefunden. Das manchmal schon am Morgen früh im Auto anhören zu müssen, hat mich schon gebraucht. Hingegen Campino von den Toten Hosen hat es mir angetan. Hätte ich nie gedacht, dass sich hinter einem solchen Namen so viel Tiefsinn, Echtheit und Musikalität verbirgt! Sogar von Bibel und Erweckung muss der etwas mitgekommen haben.
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